Mittwoch, 30. November 2016

Kopf oder Zahl

Nach der Wiederholung der Bundespräsidenten Stichwahl am 4. Dezember 2016 war schnell klar, dass wohl auch diesmal ein knappes Ergebnis herauskommt.

Lesen Sie hier, was ab 17h passiert


Wolf
Herzlich willkommen beim ORF. Wir präsentieren ihnen in Kürze die ersten Hochrechnungen zur Wiederholung der Bundespräsidenten Stichwahl und obwohl wir hier im Studio noch keine Ergebnisse haben, kann ich ihnen bereits jetzt verraten, dass es sehr spannend wird. 

Zum weiteren Prozedere sei gesagt, dass diese erste Hochrechnung bereits auch die Prognosen der Wahlkartenwähler beinhaltet. Wir werden also bereits auf 1,5 % genau die gültigen Stimmen für Herrn Norbert Hofer und Herrn Alexander van der Bellen wissen. Jetzt noch ein Blick auf die Uhr und jawohl, ich höre gerade von der Regie, dass die erste Hochrechnung da ist. Der blaue Balken ist für Norbert Hofer und der grüne Balken für Alexander van der Bellen. Beide Balken wandern nun nach oben und das erste Zwischenergebnis lautet: 50,1 zu 49,9 % für Norbert Hofer.

Das ist jetzt eine Ausgangssituation bei der sich noch einiges ändern kann. Faktum ist, dass wir uns nun bis zur Auszählung der Wahlkarten gedulden müssen. Guten Abend!

Zwei Tage später beginnt um 15 Uhr eine ZIB Sondersendung und im Studio ist wiederum Armin Wolf zugegen, welcher das nun auch bereits vom Innenministerium beglaubigte Endergebnis offiziell verkündet.

Wolf
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist der pure Wahnsinn! Das hat es in der Geschichte der österreichischen Wahlen noch nie gegeben. Das Endergebnis zwischen den Kandidaten Norbert Hofer und Alexander van der Bellen lautet: Unentschieden! Beide Präsidentschaftskandidaten können die exakt gleiche Stimmenanzahl verbuchen. Es handelt sich dabei um jeweils 2.234.169 Stimmen.

Wie geht’s nun weiter? Was hat die Verfassung dafür vorgesehen? Ich verrate es ihnen. Für diesen Fall sieht die Verfassung eine Wahlwiederholung statt. Die beiden Kontrahenten können und dürfen sich allerdings auch anders einigen. Die beiden Herrschaften sind nun bei mir im Studio eingetroffen.

Wie soll es also weitergehen? Haben Sie Ideen oder Vorschläge?

Hofer
Unter normalen Umständen würde ich das absolut faire Duell mit dem Degen präferieren. Seit meinem Unfall wäre ich da allerdings doch einigermaßen gehandicapt und daher wird es wohl einen anderen Vorschlag geben müssen. Eine Wahlwiederholung wird es allerdings definitiv nicht geben, denn ich bin der Ansicht, dass wir die Österreicher nicht mit zusätzlichen Kosten belasten wollen. Sie sind doch als Wirtschaftler wohl auch damit einverstanden Herr van der Bellen.

Vd Bellen
Also ich gebe ihnen da einmal ausnahmsweise Recht. Das sollten wir den Menschen nicht zumuten und daher sollten wir das ganze bei einem königlichen Spiel, dem Schach, austragen. Der Gewinner wird der neue Bundespräsident. Es wäre der Beweis, dass der neue Präsident auch über viel Köpfchen verfügt und daher halte ich das für diese von uns beiden angestrebte Position als durchaus angebracht.

Hofer
Da muss ich dem Herrn van der Bellen leider widersprechen. Wenn wir nämlich nur eine Partie spielen, ist es nämlich überhaupt nicht egal, ob jemand die weißen oder schwarzen Figuren bekommt. Mit den schwarzen Figuren ist man ja an sich schon im Nachteil und daher finde ich das mehr als unpassend den Posten des österreichischen Bundespräsidenten auf diese Art und Weise zu vergeben.

Vd Bellen
War das jetzt etwa eine rassistische Äußerung, weil sie die schwarzen Spielfiguren so eklatant ablehnen?

Hofer
Selbstverständlich nicht! Ich bin nur der Ansicht, dass man wenn man die Schachpartie beginnen darf, also logischerweise mit den weißen Steinen, dadurch einen enormen Vorteil hat gegenüber dem Spieler der immer nur reagieren kann und daher von Beginn an in die Defensive gedrängt wird. Da könnten wir ja gleich Schnick, schnack, schnuck spielen. Da gibt es eine höhere Chancengleichheit. Sieger und neuer Bundespräsident wäre jener Kandidat, welcher zuerst fünf Spiele gewonnen hat. Na was sagen Sie dazu Herr van der Bellen? Das ist doch eine großartige Idee!

Vd Bellen
Das kann doch nicht ihr ernst sein, aber ich habe jetzt wahrlich die perfekte Entscheidungsmöglichkeit für uns gefunden. Wie wäre es mit einem klassischen Münzwurf?

Hofer
Ich bin nur unter der Bedingung dabei, dass die Münze von einem Waisenkind geworfen wird und ich mir die Münzseite – Zahl aussuchen darf.

Vd Bellen
Nachdem ich von uns beiden der denkende Mensch bin, nehme ich logischerweise die Münzseite – Kopf. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass ein einziger Wurf entscheidet und zwar ohne jammern, suddern und raunzen. Das Ergebnis darf von ihnen auch nicht angefochten werden.

Hofer
Selbstverständlich werde ich das Wahlergebnis nicht anfechten. Das habe ich noch nie getan!

Vd Bellen
Na und wie war das, als ich vor dem Sommer bereits gewonnen habe?

Hofer
Ach das! Da habe nicht ich das Ergebnis angefochten, sondern der Herr Strache. Das hat mit mir überhaupt nix zu tun!

Währenddessen betreibt ein Waisenkind das Studio schnappt sich die angebotene Münze und wirft sie in die Luft. Die Kamera zoomt auf die fliegende Münze und als diese zu Boden geht, ist die Dramatik nicht mehr zu überbieten. Die Münze landet auf dem Rand und kullert über den Studioboden hinaus aus dem Studio, die Gänge des Küniglbergs entlang, hüpft die Stufen herunter und verlässt durch die automatische Schiebetüre das ORF Zentrum. Immer noch hasten mehrere Kameramänner, sowie Armin Wolf und die beiden Kandidaten der Münze hinterher. Diese bewegt sich unaufhörlich fort und verschwindet plötzlich und unerwartet in einem Gully! Verdutzt schauen sich nun alle anwesenden Personen an und wissen nicht was zu tun ist. Nach einigen Sekunden der Schockstarre verkündet nun Innenminister Wolfgang Sobotka seine Entscheidung.

Sobotka:
Das Amt des Bundespräsidenten wird diesmal aufgeteilt. Alexander van der Bellen wird für die ersten drei Jahre die Präsidentschaft übernehmen und Herr Norbert Hofer für die Jahre danach.

Hofer
Ich habe zwar in der Sache nichts dagegen einzuwenden, aber warum darf ich nicht beginnen?

Sobotka
Ich habe mich schlicht und ergreifend aus Altersgründen für diese Variante entschieden. Zusätzlich gebe ich ihrem, von einem unserer ehemaligen Bundespräsidenten, abgekupferten Wahlspruchs, Macht braucht Kontrolle, Recht und aufgrund dessen, dass die FPÖ vermutlich bereits nach der nächsten Wahl Regierungsverantwortung trägt, vielleicht sogar mit einem Bundeskanzler Strache, bin ich der Ansicht, dass gerade in der Anfangsphase dieser Regierungstätigkeit Herr van der Bellen dem neuen Regierungsteam ordentlich auf die Finger schauen sollte.

Gibt es diesbezüglich noch irgendwelche Fragen? Wenn nein, dann fahren wir jetzt alle zum Schloss Schönbrunn und verkünden dort vor der ganzen Welt das Ergebnis unserer Bundespräsidentenwahl.

Froh darüber, dass sich sowohl Norbert Hofer als auch Alexander van der Bellen ab sofort Bundespräsident nennen dürfen schlendern sie gemeinsam, händchenhaltend und verliebt ansehend zum Schloss Schönbrunn. Der lange und intensive Wahlkampf hat sie wohl viel näher zusammengeführt als sie sich je erträumen haben lassen.